H. H. Pfarrer Milch verurteilte das kollektive Gebaren bestimmter Ordensgemeinschaften / Stellungnahme zum Radiointerview mit H. H. P. Schmidberger

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In der Radiosendung Katholische Welt von Bayern 2, ausgestrahlt am 8. Februar 2009, äußerte sich der Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., H. H. P. Schmidberger, zur vorgebrachten Kritik am Tagesablauf im Seminar – hier ein Auszug:


Sprecherin:
Wer nicht auf Linie ist und sich widerspruchslos einfügt, muß gehen oder wird kurzerhand gegangen. Oliver Grohe (...) mußte das Seminar verlassen, weil er gegen die Enge der Abläufe protestierte. Erklärungsversuche des Distriktoberen:

Pater Schmidberger:
Herr Grohe stand im Leben, hat seine eigenen Gewohnheiten gehabt, und dem fällt es natürlich schwer, unter 20-25-Jährigen zu sitzen und die gleichen Lebensgewohnheiten, die wir von unseren Seminaristen fordern, denen sich anzupassen oder einzupassen, sich tatsächlich da formen und bilden zu lassen in diesem Sinn. Deshalb hat er die Gemeinschaft verlassen und hat nun geglaubt, sich selber rechtfertigen zu müssen und hat eine Liste von Vorwürfen erhoben. 


Wie unredlich diese Darstellung von Pater Schmidberger ist, wird jeder erkennen können, der die Dokumente dieser Internetseite gelesen hat, daher wollen wir diese Äußerung gar nicht weiter kommentieren. Es sei hier nur darauf hingewiesen, daß die gesamte interne Diskussion und auch die Veröffentlichung der Vorwürfe im Internet vor meinem Ausschluß aus dem Seminar stattgefunden haben, was Pater Schmidberger eigentlich nicht entgangen sein dürfte.


Vor kurzem sind wir nun auf eine Predigt von H. H. Pfarrer Hans Milch gestoßen, die wir in diesem Zusammenhang (auszugsweise ) veröffentlichen möchten, weil sie die Wichtigkeit der beschriebenen Problematik zeigt und einmal mehr deutlich macht, daß es sich nicht um nebensächliche – subjektive – Befindlichkeiten gehandelt hat. Pfarrer Milch war einer der Geistlichen, die bereits vor Jahrzehnten Kritik an der Ausbildung in den Seminaren der Priesterbruderschaft geübt hatte; er hat diese Predigt am 15.11.1983 in der Gemeinde Hattersheim gehalten; das Thema der Predigt war das Gebet:


... Deshalb kannst Du überhaupt nur zum Beter werden im Schweigen, in der Stille. Laß Ihn kommen. Laß Dich von Ihm anschauen und wissen: „Er ist jetzt unvorstellbar nahe bei mir, in mir, und Er schaut mich aus meinem eigenen Inneren, aus meinem Eigensten und Innersten an. Ich lasse mich von Ihm anschauen und präge mir Seine Worte ein, die Er mir sagt.“ Denn alle Worte, die Er in der Hl. Schrift zu irgendeinem Menschen sagt, sagt Er Dir. Versenke Dich in die Szene Seiner Gespräche. Er meint Dich damit!

Sie merken schon meine lieben Freunde, daß das etwas Anderes ist, als sein Gebet zu verrichten, aufzusagen. Er soll doch sagen. Er soll reden. Dazu brauchst Du selbstverständlich Deinen Raum, Dein Recht. Wahre doch dieses Recht! Sei erpicht auf Dein Recht!

Ich kenne Ordensgemeinschaften bzw. religiöse Genossenschaften, wo mir übel wird, wenn ich deren Tagesablauf verfolge, die Tagesordnung lese. Das sind Totschläger des Geistes durch ihr kollektives Gebaren! Entschuldigen Sie, wenn ich das jetzt mal so sage, aber es ist die Wahrheit: Die kommen nur zu sich, der Einzelne oder die Einzelne, auf der Toilette – sonst nie! Sonst sind sie nie bei sich, diese armen Wesen! Alles kollektiv, alles gemeinsam, alles laut: Arbeit und lautes Gebet, Arbeit und lautes Gebet von morgens bis abends. Das sind Ordnungen und Regeln, von solchen niedergeschrieben, die keine Ahnung von den Prinzipien der großen Ordensstifter haben, z.B. eines hl. Benedikt oder eines hl. Ignatius. Gerade in diesen Ordensregeln, wenn sie befolgt werden, kommt der Einzelne ganz groß zum Zuge. Der soll sein Schweigen halten und seine Stille. Bis bei diesen falschen und schlechten Ordensregeln das Schweigen einsetzt, dann haben die schon alles kollektiv heruntergerasselt, heruntergebetet und können nur noch todmüde ins Bett fallen, um ihre knappen fünf bis sechs Stunden Schlaf einzuheimsen. Und dann geht’s wieder los – nie allein, nie für sich.

Das ist nicht gottgewollt! Das ist gegen den Geist des Evangeliums, das ist gegen den Geist der Väter, gegen den Geist aller Ordensstifter, gegen den Geist der Tradition, gegen den Geist der katholischen Kirche, und es gibt dafür keinen Ansatz zur Entschuldigung!  ...

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